{"id":171,"date":"2015-08-22T12:39:46","date_gmt":"2015-08-22T10:39:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/?page_id=171"},"modified":"2024-07-23T11:24:32","modified_gmt":"2024-07-23T09:24:32","slug":"ich-zerbrechlicher-mensch","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/?page_id=171","title":{"rendered":"&#8222;Ich bin ein eher zerbrechlicher Mensch\u2026&#8220; Reinhold Messner: Vom bewegten Bergsteiger zur ganzen M\u00e4nnlichkeit."},"content":{"rendered":"<h3>Erschienen in: Kulturzeitschrift ARUNDA 54, Bozen, 2001: &#8222;Natur bin ich, erinnere daher oft an Kunst. K\u00f6rper, Sexualit\u00e4t und Erotik, Versuch einer Dekonstruktion.&#8220;<\/h3>\n<p><strong>Reinhold Messner, Superstar<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_195\" style=\"width: 321px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-Portr\u00e4t.jpeg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-195\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-195 \" src=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-Portr\u00e4t.jpeg\" alt=\"Messner Portr\u00e4t\" width=\"311\" height=\"233\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-195\" class=\"wp-caption-text\">Reinhold Messner<\/p><\/div>\n<p>Er sei einer, der \u201eder Welt gezeigt hat, da\u00df das Abenteuer keine Erfindung Hollywoods ist\u201c, so der Ex-James Bond Roger Moore. Denn Reinhold Messner hebt sich wie kaum ein anderer durch sein Tun buchst\u00e4blich heraus aus der Massengesellschaft. Die schwierigsten Klettereien in den 70ern, die 14 h\u00f6chsten Berge in den 80ern, und am Zenit seiner bergsteigerischen Karriere Alleing\u00e4nge auf den Nanga Parbat (1978) und den Mount Everest (1980). H\u00f6her, weiter, einsamer geht es nicht. Aber Messner \u201emacht\u201c nicht nur, er besteht nicht allein aus gest\u00e4hltem m\u00e4nnlichem K\u00f6rper und komprimierter Leistungsf\u00e4higkeit, seine Gedanken nehmen in seinen \u00fcber 36 ver\u00f6ffentlichten B\u00fcchern breiten Raum ein.<br \/>\n<em>\u201eIch habe die Abenteueridee um 180 Grad gedreht. Ich will nicht mehr die Landschaft, sondern mich selbst erforschen.\u201c<\/em><\/p>\n<p>War fr\u00fcher der Berg die gro\u00dfe Unbekannte, so ist dies heute der Mensch, der Mensch mit seinen \u00c4ngsten, Tr\u00e4umen und verschiedenen Bewusstseinsstufen.\u00a0Er sei , so die deutsche Zeitschrift \u201eDer Spiegel\u201c (1987), ein \u201eHandke des Bergsteigens\u201c \u00fcber welchen der wirkliche Handke sagt: <em>&#8222;Da liefert einer den Beweis: Das Innere oder Innerliche ist umso wirklicher, als ich es mir immer erst erobern muss.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Messner ist kein einfacher Bergsteiger, er ist ein intellektueller Vorreiter, welcher in den reaktion\u00e4ren und klischeebefrachteten alpinistischen Diskurs eine reflexiv-innovative und kritisch-philosophische Komponente einbrachte. Den Akteur Messner beseelt nicht mehr der heroische Sieg \u00fcber den Berg, vielmehr stellt sich ihm die Frage nach dem Sinn des Tuns und auf der Suche nach diesem Sinn kehrt er die Relevanz von Innen und Au\u00dfen um:\u00a0<em>\u201eIch gehe ganz hoch hinauf, damit ich ganz tief in mich hineinsehen kann.\u201c<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr eine feministische Besch\u00e4ftigung ist der S\u00fcdtiroler Alpinist dar\u00fcberhinaus interessant, weil er aufgrund seines Tuns mit M\u00e4nnlichkeit identifiziert wird. Sophia Loren, schlechthin Vertreterin von Weiblichkeit, meint bez\u00fcglich dessen, was M\u00e4nnlichkeit <em>f\u00fcr sie<\/em> ausmacht: <em>&#8222;Von sch\u00f6nen M\u00e4nnern halte ich wenig. Sie sollten einfach m\u00e4nnlich sein, aber ich kann nicht einmal sagen, was das ist. Ich kann es an praktische Dinge kn\u00fcpfen, etwa, was Cousteau, der Meeresforscher macht, oder dieser Italiener, der Messner\u2026&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Alpinistische Geschichte(n)<\/strong><\/p>\n<div id=\"attachment_196\" style=\"width: 182px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/d-Angeviell.jpeg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-196\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-196 size-full\" src=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/d-Angeviell.jpeg\" alt=\"d Angeviell\" width=\"172\" height=\"272\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-196\" class=\"wp-caption-text\">Henriette d\u00b4Angeville bestieg 1838 als zweite Frau den Mont Blanc<\/p><\/div>\n<p>Der Alpinismus ist traditionellerweise ein \u201em\u00e4nnlicher\u201c Sport, ein Sport der von M\u00e4nnern dominiert ist und der m\u00e4nnlichen Selbstherstellung dient. Frauen sind noch heute in den \u201eextremen\u201c Bereichen Ausnahmeerscheinungen.\u00a0Dennoch ist nicht zu bezweifeln, da\u00df die Situation der Frauen seit den Anf\u00e4ngen alpiner Geschichte\u00a0im ausgehenden 18. Jahrhundert Ver\u00e4nderungen erfuhr. Eine Illustration der Zunahme an weiblicher Bewegungsfreiheit in den letzten rund 150 Jahren bieten folgende pointierten Beispiele aus der Geschichte eines lange Zeit verschwiegenen Frauenalpinismus.<\/p>\n<p>Felicite Carrel wollte 1876 mit ihrem Vater das Matterhorn besteigen, scheiterte jedoch daran, da ihre Krinoline, d.i. ein weiter Reifenrock, sich st\u00e4ndig am Fels verfing und drohte sie hinabzurei\u00dfen. Diese Geschichte zeigt, wie Bilder vom Geschlecht Wirklichkeiten produzieren. Davon zeugen auch die Korsette, durch deren Schn\u00fcrung das Lungenvolumen von Frauen um etwa ein Drittel verringert wurde, was in Folge zu jenen Ohnmachtsanf\u00e4llen f\u00fchrte, welche ein vorgefertigtes Bild vom \u201eschwachen Geschlecht\u201c wiederum best\u00e4tigten.<\/p>\n<p>Gelangen Frauen trotz der widrigen Zeitumst\u00e4nde alpinistische H\u00f6chstleistungen, unterlie\u00dfen es m\u00e4nnliche Chronisten diese niederzuschreiben, oder es wurde ihnen der Zugang den elit\u00e4ren alpinistischen Zirkeln verweiget, wie im Fall der Magret Clauda Brevoort. Diese bestieg 1874 die Jungfrau im Winter, eine Spitzentat im Alpinismus der damaligen Zeit, der Zutritt zum renommierten British Alpine Club wurde ihr als Frau dennoch verwehrt. Quasi als Ersatz nahm mann die H\u00fcndin Tschingel, ihre Begleiterin am Berg, als Ehrenmitglied auf.<\/p>\n<p>In den drei\u00dfiger Jahren unseres Jahrhunderts \u201ewiesen\u201c die Nazis im Sinne eines ultrarechten Frauenbildes quasi wissenschaftlich \u201enach\u201c, dass sportliche Bet\u00e4tigung, insbesondere \u201em\u00e4nnliche\u201c Sportarten wie das Bergsteigen, die Erbanlagen der Frau angreift. Daraufhin wurden die bergs\u00fcchtigen Frauen im Hinblick auf die Volksgesundheit vor der \u201eKrankheit der Verm\u00e4nnlichung\u201c und dem Eindringen in alpinistische Kreise gesch\u00fctzt.<\/p>\n<p>Der Alpinismus wird von den Nazis dazu ben\u00fctzt, um die \u00dcberlegenheit der deutschen Rasse auf den h\u00f6chsten Bergen der Welt darzustellen. Willensstark, hart und mutig sind die Hauptattribute des \u201eheldischen\u201c Alpinismus der Kriegszeit, in welcher die Gef\u00fchle der Angst und Schw\u00e4che mit einem Tabu belegt werden.\u00a0Reinhold Messner kritisiert als einer der ersten noch in der Nachkrieszeit dominierende Ideal des von der Siegen- und-Sterben Mentalit\u00e4t der Nazis gepr\u00e4gten heldischen Bergsteigers. Dar\u00fcberhinaus stellt er den M\u00e4nnlichkeitswahn im Alpinismus im allgemeinen in Frage.<\/p>\n<p><em>&#8222;Wann werden die Menschen[M\u00e4nner] es endlich aufgeben k\u00f6nnen, die Natur zu erobern, zu unterwerfen, zu bezwingen [&#8230;], zu vergewaltigen &#8211; und damit zu zerst\u00f6ren! Wenn ich an die vielen \u201cGipfelsiege\u201d der letzten Jahre denken, k\u00f6nnte mir \u00fcbel werden. Sieg wor\u00fcber oder \u00fcber wen? Sieg f\u00fcr wen?<\/em>\u00a0<em>Und die dazugeh\u00f6rigen Buchtitel: \u201cKampf und Sieg am Nanga Parbat\u201d, \u201cSieg am Everest\u201d, \u201cDer einsame Sieg\u201d. Also doch Bergsteigen als Ersatz f\u00fcr den Krieg? Bergsteigen als M\u00e4nnerspiel? Dass viele Bergsteiger in ihrem ungebrochenen M\u00e4nnlichkeitswahn glauben, der Grenzbereich der Achttausender und der<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-199 aligncenter\" src=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-arunda-300x132.jpeg\" alt=\"Messner arunda\" width=\"359\" height=\"158\" srcset=\"https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-arunda-300x132.jpeg 300w, https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-arunda.jpeg 338w\" sizes=\"(max-width: 359px) 100vw, 359px\" \/>Senkrechten geh\u00f6re nur ihnen, ist in unserem Jahrhundert zwar verwunderlich, aber eine Tatsache. Dabei ist die Frau so lange unterdr\u00fcckt worden, da\u00df sie gar nicht auf die Idee gekommen ist, sie k\u00f6nnte genauso gut, wenn nicht besser bergsteigen als der Mann. F\u00fcr uns M\u00e4nner gelte es vor allem, die anima-Seite in uns zu entwickeln und nicht den \u00dcbermenschen zu spielen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Als ein \u201eKind seiner Zeit\u201c stellt er den \u00fcberalterten Bildern einer heroischen M\u00e4nnlichkeit, eine dem Psycho-Trend und der Esoterik-Welle der ausgehenden 70er Jahre entsprechende, f\u00fcr Emotionen durchl\u00e4ssige M\u00e4nnlichkeit gegen\u00fcber. In der Darstellung seiner inneren Zerissenheit wird er zum Protopypen des \u201emodernen\u201c\u00a0Bergsteigers.\u00a0<em>\u201eIch bin nicht nur Alleing\u00e4nger, ich bin eine Art Sisyphus, der niemals wirklich zum Gipfel kommt. Ich bin Sisyphus und der Stein, den ich auf den Berg rolle, ist meine eigene Psyche.\u201c<\/em><\/p>\n<p>Die Grablegung der kriegerisch-m\u00e4nnlichen Eigenschaften verbindet Messner mit der Thematisierung von \u00c4ngsten, Schw\u00e4chen und \u201eNiederlagen\u201c &#8211; sei es am Berg oder in Beziehungen.<br \/>\n<em>&#8222;Innerhalb von Augenblicken dr\u00fcckt mich die Furcht zu einem zitternden, kraftlosen B\u00fcndel zusammen. Ich will mich in der Wand verkriechen, weinen, nur nicht hinabsehen m\u00fcssen.&#8220;<br \/>\n<\/em><em>&#8222;Ich habe viel mehr anima Seiten als m\u00e4nnliche Seiten. Und ich bin eher ein zerbrechlicher Mensch.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><strong>Vom bewegten Bergsteiger zur Reinstallation ganzer M\u00e4nnlichkeit<\/strong><\/p>\n<p>Doch diese Infragestellung einer heroischen M\u00e4nnlichen durch Messner f\u00fchrt erstaunlicherweise keineswegs zur Ersch\u00f6pfung des Ideals von \u201ewirklicher\u201c M\u00e4nnlichkeit. In der Figur Messner taucht ein trendiger M\u00e4nnlichkeitsmythos erneut auf, nicht zuletzt deshalb, weil seine Erfolge dem Prinzip der Leistungssteigerung, als einem Grundprinzip der modernen Gesellschaft trotz seiner propagierten Widerst\u00e4ndigkeit gegen diese, angepa\u00dft sind. Messner konsolodiert, d.h er sichert und festigt, den M\u00e4nnlichkeitsmythos in zeitgem\u00e4\u00dfer Form neu.<\/p>\n<div id=\"attachment_154\" style=\"width: 425px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-Nanga-Parbat.jpeg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-154\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-154 \" src=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-Nanga-Parbat.jpeg\" alt=\"Messner Nanga Parbat\" width=\"415\" height=\"306\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-154\" class=\"wp-caption-text\">Reinhold Messner 1978 nach dem Alleingang am Gipfel des Tanga Parbat<\/p><\/div>\n<p>Nur wenige Monate nach der sauerstofffreien Begehung des Everst mit Partner, besteigt Messner den Nanga Parbat im Alleingang. Der Bergsteiger hat sich gerade von seiner Frau Uschi getrennt, er f\u00fchlt sich unf\u00e4hig und einsam, er hat Angst: die \u201eschwarze\u201c Einsamkeit der Trennung frisst ihn auf. Er verachtet sich daf\u00fcr, da\u00df er ein \u201egequ\u00e4ltes, zerissenes Wesen\u201c ist und wird von Weinkr\u00e4mpfen gesch\u00fcttelt, wenn er an Uschi denkt. Sein seelische Gleichgewicht ist verloren und er wei\u00df, da\u00df er in diesem Zustand die noch gr\u00f6sseren Einsamkeit beim Alleingang auf den 8000er nicht verkraften kann.<br \/>\n<em>&#8222;Als ob ich nur etwas tun muss, um wieder stark und mutig zu sein.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Um seine Handlunsgf\u00e4higkeit, die ihn als Bergsteiger auszeichnet, wieder herstellen zu k\u00f6nnen, mu\u00df er seine \u201eweiblichen\u201c Anteile \u00fcberwinden.\u00a0<em>&#8222;Ich will das Gef\u00fchl haben, st\u00e4rker als meine Angst zu sein, deshalb begebe ich mich immer wieder in Situationen, in denen ich ihr begegne, um sie zu \u00fcberwinden.&#8220;<br \/>\n&#8222;Ich konnte kaum noch. Keine Verzweiflung, kein Gl\u00fcck, keine Angst. [&#8230;] Ich hatte die Herrschaft \u00fcber meine Gef\u00fchle nicht verloren, es gab \u00fcberhaupt keine Gef\u00fchle mehr. Ich bestand nur noch aus Willen.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Erst aus der \u00dcberwindung der Angst und dem Bewu\u00dftsein der eigenen Handlungsf\u00e4higkeit bezieht Messner ein \u201estarkes Identit\u00e4tsgef\u00fchl\u201c.\u00a0Messner nutzt letztlich die anima-Seite zur Erweiterung des eigenen Geschlechts, ohne dadurch die traditionelle Konzeption von M\u00e4nnlichkeit in Frage zu stellen. M\u00e4nner m\u00fcssen demnach beweisen, dass sie \u00fcber Macht und Kontrolle verf\u00fcgen: Macht \u00fcber ihre Gef\u00fchle und \u00c4ngste, sowie Macht \u00fcber das Au\u00dfen. Mit jeder vollbrachten alpinistischen H\u00f6chstleistung gelingt es Messner, sich als Mann zu beweisen.<\/p>\n<div id=\"attachment_200\" style=\"width: 310px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-alt.jpeg\"><img aria-describedby=\"caption-attachment-200\" decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"wp-image-200 size-medium\" src=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-alt-300x204.jpeg\" alt=\"Messner alt\" width=\"300\" height=\"204\" srcset=\"https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-alt-300x204.jpeg 300w, https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/Messner-alt.jpeg 520w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><p id=\"caption-attachment-200\" class=\"wp-caption-text\">Reinhold Messner und Peter Habeler mit Frauen nach der Besteigung des Mount Everest ohne Sauerstoff 1978<\/p><\/div>\n<p>Hier sei ein Exkurs in die Messnerschen Beziehungskisten erlaubt:\u00a0In \u201eNanga Parat\u201c\u00a0berichtet Messner ausf\u00fchrlich von der Trennung von seiner Frau Uschi, vom Verlust der gro\u00dfen Liebe. Doch als weiblichen Ersatz hat er diesmal Ursula Grether, eine Medizinstudentin, mit im Basisilager.Diese h\u00e4lt gl\u00fccklicherweise in ihrem Tagebuch, die Gef\u00fchle fest, die sie w\u00e4hrend des Messnerschen Alleingangs hat, und f\u00fcrchtet sich dabei unvermuteterweise mehr als Messner, der keine Zeit f\u00fcr \u00c4ngste hat, weil er zusehr damit besch\u00e4ftigt ist, irgendwelchen Gefahren auszuweichen. Bei seinem Everest Alleingang\u00a0kommt Nena Holguin, mit und vertraut ihre innersten Regungen wiederum ihrem ver\u00f6ffentlichungstauglichen Tagebuch an. W\u00e4hrend der gute Messner gerade in eine Gletschersplate gefallen ist, versucht sie schreibend seinen Charakter zu analysieren: seine gro\u00dfe Kraft, seine pers\u00f6nliche St\u00e4rke, die widerspr\u00fcchlichen Charaktere, die dieses R\u00e4tsel Messner in sich vereinigt. Der Held kehrt nach der Reise ins Innere und \u00c4u\u00dfere schlie\u00dflich ersch\u00f6pft zur\u00fcck in Basislager und bricht in ihren Armen zusammen. Hartes Bergsteigen gemischt mit einem Schu\u00df Liebesleben- und leiden. Messner, der \u201egrandiose Schauspieler\u201c\u00a0(Peter Ustinov) wei\u00df sein m\u00e4nnliches krisengsch\u00fctteltes Ich zu inszenieren und er braucht dabei einen Spiegel, n\u00e4mlich die Frau.<\/p>\n<p>Virginia Woolfs 1928 niedergeschriebene Feststellung scheint nichts an ihrer Aktualit\u00e4t verloren zu haben: <em>&#8222;Frauen haben \u00fcber Jahrhunderte hinweg als Spiegel gedient mit der magischen und k\u00f6stlichen Kraft, das Bild des Mannes in doppelter Gr\u00f6\u00dfe wiederzugeben.&#8220;<\/em><\/p>\n<p>Die neue Semantik darf daher nicht dar\u00fcber hinwegt\u00e4uschen, dass ein Bergsteiger nur dann ein solcher ist, wenn er alle Schw\u00e4chen eliminiert und schlie\u00dflich den Gipfel erreicht. Die Bedingung f\u00fcr das Hervorheben \u201eweiblicher\u201c Anteile ist die m\u00e4nnliche Tat und so endet die Messnersche Form der Selbstinfragestellung des M\u00e4nnlichen in der Inkorporation des Weiblichen.\u00a0Reinhold Messner tr\u00e4umt auch von der Selbstgeburt, von der Transzendenz des Ichs ohne weiblichen Anteil:<br \/>\n<em>&#8222;Leider ist ein Kind aus mir selbst heraus nicht denkbar, und ich m\u00f6chte kein Kind von einer Frau, kein Kind das von zwei Menschen abh\u00e4ngt.&#8220;<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref\" name=\"_edn1\"><\/a><\/p>\n<p><a href=\"#_ednref\" name=\"_edn11\"><\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Erschienen in: Kulturzeitschrift ARUNDA 54, Bozen, 2001: &#8222;Natur bin ich, erinnere daher oft an Kunst. 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