{"id":440,"date":"2018-08-19T14:42:39","date_gmt":"2018-08-19T12:42:39","guid":{"rendered":"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/?page_id=440"},"modified":"2024-07-24T12:06:26","modified_gmt":"2024-07-24T10:06:26","slug":"leben-macht-schreiben-gesundheit-als-schrift-effekt-der-biopolitik","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/?page_id=440","title":{"rendered":"Biopolitik"},"content":{"rendered":"<h3><\/h3>\n<h2>Leben Macht Schreiben. Gesundheit als (Schrift-) Effekt der Biopolitik.<\/h2>\n<h3>In: Vom Krankmelden und Gesundschreiben.<br \/>\n<span id=\"productTitle\" class=\"a-size-large\">Literatur und\/als Psycho-Soma-Poetologie?<br \/>\nHrsg. von Artur R. Boelderl. Innsbruck: Studienverlag 2018.<\/span><\/h3>\n<p><a href=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/Leben-Macht-Schreiben.pdf\">Leben Macht Schreiben<\/a>\u00a0(Download PDF).<\/p>\n<p>Wir leben in einem Zeitalter der Gesundheit, zumindest der allseits erstrebten Gesundheit. Ein un\u00fcberschaubares Konglomerat von Diskursen, Praktiken und Wissensformen ist rund um das Thema angesiedelt, es reicht von der Ursachenforschung \u00fcber Resilienz bis zur Burn-Out-Behandlung, von Gymnastikkursen in Fitnessstudios und veganem Essen bis hin zu staatlichen Pr\u00e4ventivma\u00dfnahmen gegen Krebserkrankungen, von politischen Kampagnen wie dem Anti-Raucher-Volksbegehren\u00a0<img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" class=\"  wp-image-429 alignright\" src=\"http:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/41X-V6RbIYL._SX345_BO1204203200_-209x300.jpg\" alt=\"Buch P\u00f6lten\" width=\"245\" height=\"351\" srcset=\"https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/41X-V6RbIYL._SX345_BO1204203200_-209x300.jpg 209w, https:\/\/www.waltraudkrainz.com\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/41X-V6RbIYL._SX345_BO1204203200_.jpg 347w\" sizes=\"(max-width: 245px) 100vw, 245px\" \/>bis zu neoliberalen Methoden der Selbstoptimierung: En Vogue in der amerikanischen Ratgeberliteratur ist momentan das <em>healing <\/em>(Han 2014, 29), mittels dessen jede funktionelle Schw\u00e4che und jede mentale Blockade im Namen von Effizienz und Leistung <em>weg therapiert<\/em>werden soll.<\/p>\n<p>In diesem Gesundheitsdispositiv vermischen sich \u00f6ffentliche Anreizsysteme und normative Verhaltensimperative, selbsttechnologische Gesundheitspraktiken und Gesetzgebung, politische Interessen und medizinisches Fachwissen. Die internen Regularit\u00e4ten und Machtbeziehungen darin erschlie\u00dfen sich nicht auf den ersten Blick, da Gesundheit als gesellschaftlicher Wert neutral und medizinisches Wissen als jenseits von Machttechniken angesiedelt erscheint. Doch der Durchsetzungserfolg der Macht entspreche gerade ihrem Verm\u00f6gen, ihre Mechanismen zu verbergen, so der franz\u00f6sische Philosoph Michel Foucault (1926-1984). Die Macht wirkt am besten im Verborgenen, nur \u201eunter der Bedingung, dass sie einen wichtigen Teil ihrer selbst verschleiert, ist die Macht ertr\u00e4glich\u201c (Foucault 1983, 107).<\/p>\n<p>Diese im Verborgenen wirkenden Mechanismen, welche die Macht mit dem Leben verbinden und Gesundheit zum Effekt der Biopolitik werden lassen, sollen im Folgenden aufgezeigt werden. Dabei wird an Foucaults historisch lokalisierte Machtkritik angekn\u00fcpft, im Wesentlichen an seine Analyse der Disziplinargesellschaft in <em>\u00dcberwachen und Strafen<\/em>aus dem Jahr 1975 (zit. Foucault 1977), an sein Konzept der Biopolitik in <em>Der Wille zum Wissen<\/em>(zit. Foucault 1983), seine \u00dcberlegungen zur Gouvernementalit\u00e4t (zit. Foucault 1978) sowie an die Vorlesungen <em>Die Macht der Psychiatrie<\/em>aus den Jahren 1973-1974 (zit. Foucault 2015). In seinen genealogischen Arbeiten zeigt Foucault auf, dass die Geschichte der modernen Gesundheitspolitik verbunden ist mit der Etablierung einer Normierungsgesellschaft und mit dem Aufkommen eines medizinischen, psychiatrischen und statistischen Wissens, welches sich im Zeitraum zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert herausbildet. Erg\u00e4nzt werden Foucaults Analysen durch die Ausf\u00fchrungen des italienischen Philosophen Agamben zur Thanatopolitik des nationalsozialistischen Regimes.<\/p>\n<ol>\n<li><strong> Die Disziplin <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Man schrieb den 28. M\u00e4rz 1757 als Robert Francois Damiens in einem St\u00fctzkarren auf dem\u00a0 weitl\u00e4ufigen Greve-Platz in Paris vorgefahren wurde. Eine gro\u00dfe Masse an Zuschauern harrte bereits aus, Damien wurde sogleich auf das eigens aufgebaute Ger\u00fcst gebunden, er war nackt bis auf ein Hemd. Der Scharfrichter kam und bohrte gl\u00fchende Zangen in das Fleisch Damiens, riss St\u00fccke aus Brust, Armen und Beinen und goss siedendes Blei in die Wunden. Nach dieser Tortur wurde der Verurteilte auf einem Andreaskreuz festgezurrt und Arme und Beine mit je einem Pferd verbunden, welche in unterschiedliche Richtungen ziehen und den K\u00f6rper Damiens so zerrei\u00dfen sollten. Trotz mehrmaliger Versuche gelang dies nicht, sodass der Scharfrichter sich schlie\u00dflich dazu entschloss, die Extremit\u00e4ten mit einem Messer vom K\u00f6rper abzutrennen. Es ist nicht \u00fcberliefert, bei welchem Teil der Marter Damien das Bewusstsein verlor. (Foucault 1977, 9ff)<\/p>\n<p>Die Souver\u00e4nit\u00e4tsmacht ist die Macht des Schwertes und des Todes, sie hat das Vorrecht sich des Lebens zu bem\u00e4chtigen, um es auszul\u00f6schen. Diese traditionelle Machtform wirkt prim\u00e4r repressiv und negativ, durch Todesdrohung und durch Ausbeutung; dem Souver\u00e4n ist die Sorge um seine Untertanen fremd, sie sind lediglich Teil des Territoriums, das es zu sichern gilt und dessen Feinde abgewehrt werden m\u00fcssen. Die souver\u00e4ne Macht hat das Zugriffsrecht auf das Leben, aber au\u00dfer als abzusch\u00f6pfende Ressource hat das Leben der Untertanen keinerlei Bedeutung f\u00fcr sie. (Foucault 1983, 162ff)<\/p>\n<p>Foucault zufolge manifestiert sich die Macht seit der Aufkl\u00e4rung nicht mehr als Todesmacht, sondern als Lebensmacht. Statt den K\u00f6rper zu martern und zu verst\u00fcmmeln, wird er fein abgestimmten Disziplinierungsverfahren unterworfen: Junge Gefangene m\u00fcssen sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts einem genauen Reglement unterwerfen, welches Folgendes vorschreibt: um 6.00 Aufstehen und Morgengebet, um 6.45 Waschen im Hof und Brotzuteilung, danach Arbeit in der Werkstatt, um 10.00 H\u00e4nde waschen und Mahlzeit, um 10.40 Unterricht, um 12.40 Erholung im Hof, um 13.00 Arbeit in der Werkstatt, um 16.00 H\u00e4nde waschen und Essen im Saal, um 19.00 Brotzuteilung und Lesung (Foucault 1977, 12f).<\/p>\n<p>Der Zeitplan hat nichts mehr gemein mit der spektakul\u00e4ren Inszenierung der Marter. Die Disziplin strukturiert die Zeit durch genaue Planung, sie parzelliert den Raum und platziert die Individuen, sie unterwirft die Subjekte einer allumfassenden Sichtbarkeit, sie sanktioniert kleinste Fehler und Normabweichungen, sie wirkt durch permanente \u00dcberwachung und Bestrafung. Wie die Marter setzt die Disziplin am K\u00f6rper an, doch im Gegensatz zu ersterer geht es ihr um \u201eseine Dressur, die Steigerung seiner F\u00e4higkeit, die Ausnutzung seiner Kr\u00e4fte, das Anwachsen seiner N\u00fctzlichkeit\u201c (Foucault 1983, 166), die Disziplin bringt Kr\u00e4fte hervor, anstatt sie zu vernichten, sie ist eine \u201eMacht, die das Leben verwaltet und bewirtschaftet\u201c (Ebd. 163).<\/p>\n<p>Die Disziplinarmacht beschr\u00e4nkt sich nicht auf das Gef\u00e4ngnis, ihre R\u00e4ume sind die Schule, die Kaserne, das Spital und die Fabrik. In den Gef\u00e4ngnissen sollen aus Verbrechern resozialisierte Arbeiter geformt werden, in den Schulen gelehrige Sch\u00fcler und in den Kasernen aus Bauern stramme Soldaten. Der Soldat ist die Idealfigur der Disziplinarmacht, durch st\u00e4ndigen Drill wird er daran gew\u00f6hnt<br \/>\n&#8222;den Kopf gerade und hoch zu halten; sich aufrecht zu halten, ohne den R\u00fccken zu kr\u00fcmmen, den Bauch und die Brust vorspringen zu lassen und den R\u00fccken einzuziehen [&#8230;]und schlie\u00dflich mit festem Schritt zu marschieren, das Knie und die Kniekehle gestrafft, die Fu\u00dfspitze gesenkt und nach au\u00dfen gekehrt.&#8220; (Foucault 1977, 174)<\/p>\n<p>In den Kasernen und Milit\u00e4rschulen werden mit der Dressur des K\u00f6rpers zugleich der Gesundheitsimperativ, welcher vorschreibt \u201ekr\u00e4ftige K\u00f6rper heranzuz\u00fcchten\u201c (Ebd. 223) als auch ein moralischer Imperativ, welcher Ausschweifung und Homosexualit\u00e4t verhindern soll, etabliert.<\/p>\n<p>Die Disziplin ist eine \u201eMikrophysik der Macht\u201c, ein Netz von Machtpraktiken, welche alle \u00a0gesellschaftlichen Institutionen durchzieht. Sie reglementiert, stellt Standards und Normen auf und richtet die Individuen daran aus: \u201ezusammen mit der \u00dcberwachung wird die Normalisierung zu einem der gro\u00dfen Machtinstrumente\u201c (Ebd. 237).<\/p>\n<p><strong>1.1. Das Spital <\/strong><\/p>\n<p>Aus der Gemeinschaft ausgeschlossen mussten die Leprakranken im Mittelalter au\u00dferhalb der Stadt ihr Leben fristen. Um die Verbreitung der Krankheit zu verhindern, wurden sie in Leprakolonien isoliert und bildeten eine gro\u00dfe und diffuse Masse, die nicht wert war, n\u00e4her bezeichnet zu werden. Gegens\u00e4tzlich gestaltete sich der Umgang mit der Pest in der fr\u00fchen Neuzeit: Die Stadt wurde hermetisch abgeschlossen, niemand durfte hinaus oder herein, im Inneren wurde der Raum parzelliert und in unterschiedliche Viertel aufgeteilt, welchen eigene Kontrolleure zugewiesen wurden. Diese gingen t\u00e4glich von Haus zu Haus und registrierten jeden Krankheitsausbruch, jedes Krankheitsstadium und jeden Todesfall. Jeder Kontrolleur musste einem rangh\u00f6heren \u00fcber die Vorg\u00e4nge Bericht erstatten, eine strenge Hierarchie wurde etabliert. Ziel der Ma\u00dfnahmen war es, den Stadtraum l\u00fcckenlos zu \u00fcberwachen. (Foucault 1977, 251ff)<\/p>\n<p>Statt des stigmatisierenden Ausschlusses erfolgt hier eine klassifizierende und individualisierende Kontrolle. Die verpestete Stadt wird damit zum Modell der Disziplinierungsanlage schlechthin und zum Vorbild f\u00fcr das moderne Spital (Ebd. 255f).\u00a0 Auch im \u201ewohldisziplinierten\u201c Spital des 18. Jahrhunderts ging es vorerst darum, der \u201ebeweglichen und wimmelnden Masse\u201c Herr zu werden: Die Zahl der Kranken und ihre Identit\u00e4t musste festgestellt werden, ihr Kommen und Gehen \u00fcberwacht.\u00a0 Jeder Kranke wurde in ein Register eingetragen, welches der Arzt konsultieren musste. Alle Vorg\u00e4nge wurden genauestens beobachtet und beschrieben, es wurden Kategorien gebildet, Durchschnitte ermittelt und Abweichungen davon registriert. (Ebd. 240f)<\/p>\n<p>Durch diese detaillierte Klassifizierung und Beschreibung der Kranken wurden die Spit\u00e4ler zu \u201eLaboratorien f\u00fcr Aufzeichnungsmethoden\u201c (Ebd. 247). Es entstand ein therapeutischer Raum, in welchem \u201edie K\u00f6rper, die Krankheiten, die Symptome\u201c (Ebd.185) zugleich individualisiert und in eine systematische Ordnung gebracht wurden. Daraus resultierte eine neue Beschreibbarkeit der Krankheiten, welche von der allgemeinen Kategorisierung \u00fcber das konkrete Fallbeispiel bis hin zum biografischen Bericht reichte. Die medizinischen Beschreibungen wurden umso detaillierter je gr\u00f6\u00dfer die Abweichungen von der (Gesundheits-)Norm waren. Die Trennung des Normalen vom Pathologischen und des Gesunden vom Kranken mit der gleichzeitigen Stigmatisierung des Letzteren begr\u00fcnde, so Foucault, \u00a0in einer Normierungsgesellschaft den Status der Medizin als \u201eK\u00f6nigin der Wissenschaften\u201c (Foucault 1976, 84).<\/p>\n<p>Urspr\u00fcnglich eine St\u00e4tte der F\u00fcrsorge, begann das Spital ab dem 18. Jahrhundert zu einem Ort systematischer Wissensherstellung zu werden. Der Arzt verdr\u00e4ngte das Ordenspersonal, t\u00e4gliche Pr\u00fcfungsrituale, wie die Visite, wurden etabliert und der Kranke fortan einer \u201efast ununterbrochenen \u00dcberpr\u00fcfungssituation\u201c (Foucault 1977, 239) ausgesetzt. Unter dem \u00e4rztlichen Blick wurde der Kranke zum Objekt und Gegenstand der Wissenschaft, die penible Dokumentation und die Anh\u00e4ufung von Daten dienten dazu, das \u201eIndividuum als Effekt und Objekt von Macht, als Effekt und Objekt von Wissen (zu) konstituieren\u201c (Ebd. 247). Im Spital verschr\u00e4nken sich die Macht der objektivierenden Wissenschaft mit der Macht der disziplinierenden K\u00f6rperkontrolle.<\/p>\n<p>Die r\u00e4umliche Struktur des Spitals stellte eine architektonische Modifikation des ber\u00fchmten Benthamschen Panopticons dar, in welchem Foucault das paradigmatische Beispiel des Disziplinarapparates sieht: Das Panopticon besteht aus einem Turm in der Mitte und einem ringf\u00f6rmigen Geb\u00e4ude am Rand. Das Ringgeb\u00e4ude ist in Zellen mit Fenstern nach innen und au\u00dfen unterteilt, sodass die Insassen jederzeit vom Turm aus sichtbar sind, es f\u00fcr die Insassen jedoch nicht erkennbar ist, ob im Turm ein W\u00e4chter anwesend ist. Die Macht \u00fcberblickt und kontrolliert alles, w\u00e4hrend sie selbst nicht sichtbar ist und anonym bleibt. (Ebd. 256 ff) Durch das panoptische Prinzip wird es m\u00f6glich, mit \u201eimmer weniger Personen, Macht \u00fcber immer mehr\u201c (Ebd. 265) auszu\u00fcben und einer Vielfalt von Individuen ein bestimmtes Verhalten aufzuzwingen; das Panopticon wird so zum Verst\u00e4rker f\u00fcr jeden beliebigen Machtapparat.<\/p>\n<p>Die panoptische Struktur findet sich modifiziert in allen Disziplinarinstitutionen \u2013 der Schule, der Kaserne, der Fabrik \u2013 wieder, in besonderer Klarheit zeigt sie sich im Gef\u00e4ngnis und in der psychiatrischen Anstalt des 19. Jahrhundert. In dieser wurde der Patient nicht nur zum Zwecke der Kontrolle einer permanenten Sichtbarkeit unterworfen, der Isolierung und \u00dcberwachung der Kranken wurde dar\u00fcber hinaus auch ein therapeutischer Wert zugeschrieben. Die \u201eHeilungsmaschine\u201c (Foucault 2015, 153) der Anstalt sollte als panoptischer Apparat heilen: Aus therapeutischen Gr\u00fcnden musste der Geisteskranke, so die Meinung der Psychiater, von seinem famili\u00e4ren Umfeld abgesondert und gegebenenfalls auch in Einzelzellen isoliert werden, zumindest musste er in der Anstalt permanent \u00fcberwacht werden, und es musste ihm gleichzeitig auch bewusst sein, dass er \u00fcberwacht wird. Statt eines ringf\u00f6rmigen Geb\u00e4udes wurden im Kreis angeordnete Pavillons gebaut, denn der Arzt sollte \u201eauf leisen Sohlen kommen k\u00f6nnen, ohne von irgendjemandem geh\u00f6rt zu werden\u201c (Ebd. 154). Ein Direktionsgeb\u00e4ude, welches im Zentrum der Pavillons liegt, ersetzt in dieser r\u00e4umlichen Anlage den zentralen \u00dcberwachungsturm des Panopticons.<\/p>\n<p>Der unterworfene K\u00f6rper des Irren steht innerhalb der panoptischen Architektur dem auf die ganze Institution der Psychiatrie ausgedehnten K\u00f6rper des Arztes gegen\u00fcber (Ebd. 271):<br \/>\n&#8222;Der K\u00f6rper des Psychiaters muss \u00fcberall pr\u00e4sent sein. [&#8230;]Er muss mit einem einzigen Blick alles sehen, mit einem einzigen Rundgang die Situation eines jeden seiner Patienten \u00fcberwachen k\u00f6nnen; [&#8230;]er muss alles sehen und ihm muss alles berichtet werden. Was er selbst nicht sieht, m\u00fcssen ihm die Aufseher sagen, [&#8230;]so dass er in der Anstalt in jedem Augenblick und fortw\u00e4hrend omnipr\u00e4sent ist. Er \u00fcberzieht mit seinem Blick, mit seinem Ohr, mit seinen Gesten den gesamten Anstaltsraum.&#8220; (Ebd. 262).<\/p>\n<ol start=\"2\">\n<li><strong> Die Biomacht <\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der eine Pol der modernen Lebensmacht ist die auf den K\u00f6rper als zu manipulierendes Objekt ausgerichtete Disziplinarmacht, ihr zweiter Pol ist die Biomacht.\u00a0 Die produktive Macht der Neuzeit entdeckt, dass sie es nicht nur mit Untertanen, sondern mit einem \u201eVolk\u201c und einer \u201eBev\u00f6lkerung\u201c (herv. im Original, Foucault 1983, 37) zu tun hat, mit einer Produktions- und Reproduktionsmasse, die es sorgf\u00e4ltig zu verwalten gilt. Geburtenraten, Sterblichkeit, Lebensdauer und Fruchtbarkeit werden ab dem 18. Jahrhundert zum Gegenstand von Regulierung und Regierung, die Biopolitik zur Regierungstechnik der Disziplinargesellschaft. Erst in der Neuzeit lernt der abendl\u00e4ndische Mensch, so Foucault, \u201eeinen K\u00f6rper zu haben sowie Existenzbedingungen, Lebenserwartungen, eine individuelle und kollektive Gesundheit\u201c (Ebd. 170). Im Zentrum der Biomacht stehen einerseits die (b\u00fcrgerliche) Familie und deren Sexualit\u00e4t \u00a0und andererseits die Lebensbedingungen der arbeitenden Klassen.<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>2.1. Das B\u00fcrgertum <\/strong><\/p>\n<p>Im Gegensatz zur sogenannten Repressionshypothese, welche eine zunehmende Unterdr\u00fcckung der Sexualit\u00e4t ab dem 17. Jahrhundert konstatiert, geht Foucault davon aus, dass die modernen Humanwissenschaften -die Medizin, die Psychiatrie, die P\u00e4dagogik und in weiterer Folge auch die Psychologie und die Psychoanalyse -gerade das Gegenteil davon bewirkten: N\u00e4mlich eine \u201ediskursive Explosion\u201c (Foucault 1983, 27) rund um das Thema Fortpflanzung (Sex) und Sexualit\u00e4t, \u201edie im Wirkungsbereich der Macht selbst stattfindet: institutioneller Anreiz, \u00fcber den Sex zu sprechen, und zwar immer mehr dar\u00fcber zu sprechen; [&#8230;]ihn zum Sprechen zu bringen in ausf\u00fchrlichen Er\u00f6rterungen und endlosen Detailanh\u00e4ufungen\u201c (Ebd. 28). Die Wahrheit \u00fcber den Sex muss als Gest\u00e4ndnis abgelegt werden, nicht mehr in der alten Form der christlichen Bu\u00dfe, sondern dem Arzt, dem Psychiater, dem P\u00e4dagogen und im Falle der \u201ePerversionen\u201c auch der Justiz gegen\u00fcber. Foucault meint, die Macht fordere auf, ununterbrochen \u00fcber den Sex zu sprechen, anstatt ihn zu unterdr\u00fccken (Ebd. 128).<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Sexualit\u00e4t eine individuelle Sache ist, welche die geheimen Phantasien und Exzesse betrifft, ist der Sex eine Familienangelegenheit: Eines der wichtigsten Anliegen des aufstrebenden B\u00fcrgertums war es, das \u201eblaue Blut des Adels in einen kr\u00e4ftigen Organismus und eine gesunde Sexualit\u00e4t\u201c zu verwandeln (Ebd. 151). Den Allianzheiraten des Adels setzte das B\u00fcrgertum die Gesundheit des K\u00f6rpers entgegen, dem Stammbaum die Sorge um die Nachkommenschaft. Am eigenen K\u00f6rper \u2013 und an dem seiner gesunden Nachfahren \u2013\u00a0 belegte der B\u00fcrger seine Moral, seine Leistungsf\u00e4higkeit und seine T\u00fcchtigkeit, mit dem K\u00f6rper grenzte er sich von dem als blass, \u00fcberfeinert und schw\u00e4chlich geltenden K\u00f6rper des Adeligen ab. Dem B\u00fcrgertum ging es dabei um eine \u201eunbeschr\u00e4nkte Ausweitung der Kraft, St\u00e4rke, Gesundheit, des Lebens\u201c (Ebd. 150), denn die Herrschaft des B\u00fcrgertums war auch eine physische Angelegenheit.<\/p>\n<p>F\u00fcr gesunde Nachkommen zu sorgen, wurde damit zur moralischen Aufgabe des b\u00fcrgerlichen Ehepaares: \u201edie progressive Paralyse des Gro\u00dfvaters, die Nervenschw\u00e4che der Mutter, die Schwindsucht des Schwesterchens, die hysterischen und liebestollen Tanten, die Vettern mit dem schlechtem Lebenswandel\u201c (Ebd. 150) waren sowohl Themen b\u00fcrgerlicher Heiratspolitik als auch der Wissenschaft, welche sich im 19. Jahrhundert von einer Medizin des K\u00f6rpers zu einer Medizin des Sexes wandelte. Vier Figuren wurden zu bevorzugten Gegenst\u00e4nden der neuen Sexualwissenschaft und regten im Besonderen die Produktion von Diskursen an: \u201edie hysterische Frau, das masturbierende Kind, das familienplanende Paar und der perverse Erwachsene\u201c (Ebd. 127) Aus diesen Figuren entwickelten sich Mischfiguren wie die nerv\u00f6se Frau und die frigide Gattin, der impotente, sadistische oder perverse Gatte, die hysterische Tochter und der junge Homosexuelle. (Ebd. 133)<\/p>\n<p>Die hysterische Frau: Auf die Hysterie als speziell weiblicher Krankheit wird im Folgenden noch eingegangen, die Figur der nerv\u00f6sen oder hysterischen Frau bildete jedoch das Negativbild zur Figur der \u201eMutter\u201c (herv. im Original, ebd. 126), durch welche der weibliche K\u00f6rper mit dem Gesellschaftsk\u00f6rper verkn\u00fcpft wurde.<br \/>\nDas masturbierende Kind: Diese Figur f\u00fchrte zu einer P\u00e4dagogisierung des kindlichen Sexes und zu einem Feldzug gegen die Onanie -mit ausgekl\u00fcgelter \u00dcberwachung, dem Herstellen von Schuldgef\u00fchlen, der Forderung nach unabl\u00e4ssiger Wachsamkeit, architektonischen\u00a0 Umbauen. (Dreyfus\/Rabinow 1994, 203).<br \/>\nDas familienplanende Paar: Dem b\u00fcrgerlichen Paar wurde die Verantwortung f\u00fcr die Gesundheit der herrschenden Klasse \u00fcbertragen, es wurde daher zur bevorzugten Zielscheibe einer Moral und Medizin des Sexes: Es galt den K\u00f6rper vor sch\u00e4dlichen Einfl\u00fcssen sch\u00fctzen, die durch sorglose Sexualit\u00e4t herbeigef\u00fchrt werden konnten. Sexuelle Unachtsamkeiten des Paares als auch Krankheiten der Vorfahren, so hie\u00df es, k\u00f6nnten zur Zeugung Erbkranker oder Perverser f\u00fchren: Im \u201eStammbaum eines Homosexuellen [&#8230;]findet sich immer ein halbseitig gel\u00e4hmter Vorfahre, ein schwinds\u00fcchtiger Gro\u00dfvater oder ein schwachsinniger Onkel.\u201c (Foucault 1983, 143)<br \/>\nDer perverse Erwachsene: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts nahm die Psychiatrie an, dass dem Sex ein instinktiver Trieb zugrunde liege, welcher sowohl auf \u201egesunde\u201c Weise funktionieren oder aber pervertiert sein k\u00f6nne, wie im Fall der Homosexuellen. Ein breites Schema von Perversionen wurde erstellt, welche \u201edie Psychiater wie Insekten aufreih(t)en und auf seltsame Namen tauf(t)en\u201c (Ebd. 59). Die Diagnose einer Anomalie und der Ausweis des sexuellen Verhaltens als pathologisch, f\u00fchrten in weiterer Folge zur Anwendung von Korrekturtechniken.<\/p>\n<p>Aus der Medizin der Perversionen in Kombination mit der Sorge um die Gesundheit der Nachkommen entstand eine \u201egesellschaftliche Praktik, die im Staatsrassismus\u00a0ihre \u00e4u\u00dferte und systematische Form\u201c (Ebd. 143) erlangte und die dem Sexualit\u00e4tsdispositiv im 20. Jahrhundert \u201eungeheure Macht und weitreichende Wirkungen\u201c (Ebd.) verleihen sollte.<\/p>\n<p><strong>2.2. Das Proletariat <\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst war die Sorge um den gesunden K\u00f6rper eine Sache des B\u00fcrgertums. Doch aufgrund des fortschreitenden Wandels von der agrarischen zur industriellen Produktion entstanden neue Notwendigkeiten: Einerseits musste der proletarische K\u00f6rper der maschinellen Produktionsweise angepasst und in ein disziplinierendes System von Kontrollen und Normen eingespannt werden, andererseits musste den Problemen st\u00e4dtischer Verwahrlosung und dem Auftreten von Epidemien wie den Pocken oder der Cholera entgegengetreten werden. Aufgrund des \u00f6konomischen Drucks wurde das Proletariat zur Zielscheibe biopolitischer Ma\u00dfnahmen, Wohlfahrtsprogramme wurden etabliert, Schulen und Wohnraum geschaffen.<\/p>\n<p>Zielte die Disziplinarmacht darauf ab, die Fabriken und Werkst\u00e4tten r\u00e4umlich und zeitlich zu organisieren und die Produktion sorgf\u00e4ltig zu \u00fcberwachen, so zielte die Biopolitik darauf ab, aus verwahrlosten Massen mittels einer effizienten F\u00fcrsorgepolitik eine arbeitsf\u00e4hige Klasse heraus zu bilden. Die gesunde Bev\u00f6lkerung wurde sowohl zur zentralen Ressource des modernen Staates als auch des modernen Kapitalismus. Den Kern derselben bildete auch hier die Familie, bei ihr setzten Ma\u00dfnahmen wie Kampagnen gegen die hohe Sterblichkeit oder Pockenschutzimpfungen an. \u00a0Ziel der Regierung im Zeitalter der Lebensmacht sei es, so Foucault, das \u201eLos der Bev\u00f6lkerung zu verbessern, ihre Reicht\u00fcmer, ihre Lebensdauer, und ihre Gesundheit zu mehren\u201c (Foucault 1978, 168).<\/p>\n<p>Doch die Bev\u00f6lkerung war mehr als eine gro\u00dfe Masse von Menschen, sie brachte eigene Ph\u00e4nomene wie Sterbe- und Krankheitsraten, Unfallh\u00e4ufigkeiten, Hungersn\u00f6te und Epidemien mit sich. Wie der Kranke zum Objekt der medizinischen Wissenschaft wurde, so wurde die Bev\u00f6lkerung zum Objekt der Statistik: \u201eIndem die Statistik eine Quantifizierung der Ph\u00e4nomene gestattet, die der Bev\u00f6lkerung eigen sind, l\u00e4sst sie deren spezifischen Charakter hervortreten.\u201c (Ebd. 167) Erst die Statistik f\u00fchrte zur Vorstellung einer zu regierenden Bev\u00f6lkerung und der Aufgabenstellungen, welche sich daraus f\u00fcr die Regierung ergaben. Um die Lebensbedingungen und damit die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung zu verbessern galt es: Hungersn\u00f6ten entgegen zu wirken und die Getreideversorgung sicher zu stellen, Wohnraum zu schaffen und die hygienischen Verh\u00e4ltnisse zu verbessern, Geburtenraten zu erh\u00f6hen oder zu reduzieren, die Kindersterblichkeit zu verringern, Epidemien einzud\u00e4mmen, fl\u00e4chendeckende Pocken-Impfungen durchzuf\u00fchren, die Prostitution einzuschr\u00e4nken und die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten wie der Syphilis zu verhindern. Die Statistik war die \u201eBewegung, welche die Bev\u00f6lkerung als eine Gegebenheit, als ein Interventionsfeld und als Ziel des der Regierungstechniken hervorbringt.\u201c (Ebd.171)<\/p>\n<ol start=\"3\">\n<li><strong> Die Psychiatrie<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Die Normierungsmacht trennt den Raum der Gesellschaft in eine inneren Bereich des Normalen und in einen \u00e4u\u00dferen Raum das Anormalen: Institutionen wie die Irrenanstalt, das Gef\u00e4ngnis, das Erziehungsheim und teilweise auch das Krankenhaus ziehen eine Grenze zwischen dem, was als harmlos und gesund und dem, was als wahnsinnig, gef\u00e4hrlich und krank gilt und stigmatisieren gleichzeitig den ausgeschlossenen Teil. (Foucault 1977, 256)<\/p>\n<p>Hatte der Wahnsinnige im Mittelalter noch seinen Platz in der Gesellschaft, in der Figur des Hofnarren oder des Dorftrottels, wurde er ab dem 18. Jahrhundert systematisch eingekerkert (Foucault 2015, 492). Zun\u00e4chst gemeinsam mit Verbrechern, doch bereits nach der franz\u00f6sischen Revolution gab es Proteste eingekerkerter Adeliger, die forderten, dass gew\u00f6hnliche Kriminelle nicht l\u00e4nger mit Wahnsinnigen vermischt werden sollten (Dreyfus\/Rabinow 1994, 31). Der franz\u00f6sische Arzt Pinel befreite 1793 die Irren in der Anstalt\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/Bic%C3%AAtre\">Bic\u00eatre<\/a>\u00a0von ihren Ketten und begr\u00fcndete so die moderne Psychiatrie (Foucault 2015, 39).<\/p>\n<p>Die psychiatrische Anstalt stellt einen Disziplinarapparat dar, in welchem Wissen und Macht durch einen Wahrheitsdiskurs verbunden sind: Im Gegensatz zu den objektivierenden Verfahren der klassischen Medizin bedient sich die Psychiatrie einer Reihe interpretativer Methoden, um die Wahrheit der Krankheit hervor zu bringen. Sie bedarf daher einerseits eines Subjektes, das spricht, und andererseits einer Autorit\u00e4t, welche das Gesagte (hermeneutisch) deuten kann. Somit werden Untersuchung und Gest\u00e4ndnis zu grundlegenden Techniken der subjektivierenden Wissenschaft, der Zuh\u00f6rende zum \u201eHerr der Wahrheit\u201c (Dreyfus\/Rabinow 1994, 211).<\/p>\n<p>F\u00fcr die \u201ean den Wahnsinn gerichtete Frage nach der Wahrheit\u201c (Foucault 2015, 338) bediente man sich im 19. Jahrhundert folgender Verfahren: 1. dem Verh\u00f6r, 2. der Hypnose und 3. der Verwendung von Drogen. Die wichtigste dieser Techniken stellte das Verh\u00f6r dar, da sich die Psychiater sicher waren, nur durch die Erzwingung eines Gest\u00e4ndnisses und der damit verbundenen Anerkennung seines Wahns k\u00f6nne der Verr\u00fcckte geheilt werden.<\/p>\n<p>Die \u00dcberzeugung ein Gest\u00e4ndnis offenbare die Wahrheit hat dar\u00fcber hinaus eine lange Tradition: Die Gest\u00e4ndnistechnologie umfasst sowohl die kirchlichen Beichte, als auch die juristische Praxis, den Bereich der P\u00e4dagogik ebenso wie die Folterpraxis des Mittelalters. Seit der Inquisition galt die Folter als der \u201eschwarze Zwillingsbruder\u201c (Foucault 1983, 77) des Verh\u00f6rs. Die Folter als Technik zur Produktion von Wahrheit finde sich, so Foucault, transformiert in der psychiatrischen Praxis des 19. Jahrhunderts wieder. (Ebd. 1976, 83) Foucault f\u00fchrt folgende folter\u00e4hnliche Instrumente an, welche gleicherma\u00dfen der Bestrafung, als auch der Therapie dienen sollten: \u201eden an der Wand befestigen Stuhl, an den der Kranke festgebunden wurde; den beweglichen Stuhl, der sich umso mehr bewegte, je unruhiger der Kranke selbst war; die Handschellen [erg.: mit Leder besetzte Handschellen aus Eisen]; die Muffs [erg.: schn\u00fcren die H\u00e4nde auf der Vorderseite des K\u00f6rpers zusammen]; die Zwangsjacke; Weidens\u00e4rge, in die man die Individuen einschloss [erg.: bei welchen nur f\u00fcr den Kopf ein St\u00fcck herausgeschnitten ist]; Hundehalsb\u00e4nder mit Spitzen unter dem Kinn\u201c (Foucault 2015, 157) an. Die meisten Instrumente waren so gebaut, dass der Patient sie umso weniger f\u00fchlte, je weniger er ihnen Widerstand leistete.<\/p>\n<p>Erwiesenerma\u00dfen hatten die aufgez\u00e4hlten Therapieformen keinerlei positive Wirkung, sie stellten lediglich eine \u201eunaufh\u00f6rliche Bestrafung\u201c (Ebd. 159) des Geisteskranken dar. Obwohl es scheint, die Anstalt des 19. Jahrhunderts w\u00e4re ein Ort totaler Repression gewesen, betont Foucault, diese sei durchaus als ein Ort des Kampfes und der Konfrontation zu betrachten, an welchem sich der Kranke mittels seiner Krankheit st\u00e4ndig der absoluten Macht des Arztes widersetzt habe (Ebd. 141, 494f).Foucault zeigt am Beispiel der Psychiatrie eindrucksvoll auf, dass Wissen sich niemals in einem scheinbar machtfreien Raum der Wissenschaft entfaltet, sondern \u201edass Macht und Wissen einander unmittelbar einschlie\u00dfen; dass es keine Machtbeziehungen gibt, ohne dass sich ein entsprechendes Wissensfeld konstituiert und kein Wissen, dass nicht gleichzeitig Machtbeziehungen voraussetzt\u201c (Foucault 1977, 39).<\/p>\n<p>Eine besondere Stellung innerhalb der psychischen Krankheiten nahm die Hysterie ein: Sie wurde als speziell weibliche Krankheit und als eine nur dem weiblichen K\u00f6rper innewohnende Pathologie diagnostiziert. Bis zum Ende des 19. Jahrhunderts galt sie als psychische Krankheit, allein verursacht durch Vorstellungen und ohne somatische Ursachen. Jean-Martin Charcot, Inhaber des Lehrstuhls f\u00fcr\u00a0Krankheiten des Nervensystems\u00a0am\u00a0<a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/H%C3%B4pital_de_la_Salp%C3%AAtri%C3%A8re\">H\u00f4pital de la Salp\u00eatri\u00e8re<\/a>\u00a0in Paris, stellte dieses Wissen in Frage. Er nahm an, dass es sich bei der Hysterie um eine organische, im Sinne der Medizin \u201ewirkliche\u201c Krankheit (Foucault 2015, 447) handle. Um jedoch zu den \u201erichtigen, soliden Krankheiten, um die sich die wahren und ernsthaften \u00c4rzte k\u00fcmmerten\u201c (Ebd. 443) gez\u00e4hlt werden zu k\u00f6nnen, musste die Hysterie durch eine Differentialdiagnose beurteilbar sein und damit eine bestimmte Regelm\u00e4\u00dfigkeit an Symptomen aufweisen. Charcot gelang dieser Nachweis dadurch, dass er hysterische Frauen im Kreis seiner Assistenten wie Schauspielerinnen auftreten lie\u00df: Mittels Hypnose l\u00f6ste er die hysterischen Anf\u00e4lle nach Belieben aus und stoppte sie wieder, womit er die Symptome jederzeit abrufen und damit die Wahrheit der Krankheit direkt vor dem staunenden Publikum erzeugen konnte: Eine Patientin Charcots hatte innerhalb von dreizehn Tagen 4506 Anf\u00e4lle. (Ebd. 449f) Die Hysterikerin wurde dadurch, so Foucault, zu einer \u201efunktionellen Marionette\u201c (herv. im Original, ebd. 451) des \u00fcberm\u00e4chtigen Arztes.<\/p>\n<p>Der hysterischen Anfall wurde nach dem Modell der Epilepsie in unterschiedliche Phasen geordnet: Beginnend mit der Phase ungeordneter Bewegungen, \u00fcber die Phase des \u201eleidenschaftlichen Verhaltens\u201c (Ebd. 449), in denen Emotionen wie \u201eL\u00fcsternheit\u201c (Ebd.) zum Ausdruck kamen, endend mit der Phase des Deliriums. Die einzelnen Phasen wurden genauestens dokumentiert, skizziert und, mittels der neuesten Technologie, auch fotografisch festgehalten. Bei den Auff\u00fchrungen Charcots stand freilich immer die M\u00f6glichkeit der T\u00e4uschung im Raum: Rufen die Hysterikerinnen die von ihnen verlangten Symptome \u2013 zumindest teilweise \u2013 willentlich hervor? Tragen diese damit selbst zu den sch\u00f6nen Regelm\u00e4\u00dfigkeiten ihres Auftretens bei? Derartige Fragen waren keineswegs unbegr\u00fcndet vor dem Hintergrund, dass die Patientinnen massive Vorteile daraus zogen, nun als echte Kranke und nicht mehr als Verr\u00fcckte interniert zu sein, durch die Hysterie erwarben sie sich ein \u201eB\u00fcrgerrecht im Krankenhaus\u201c (Ebd. 450).<\/p>\n<p>Charcot sah sich jedoch nicht nur mit dem Problem der Simulation konfrontiert, sondern auch mit den \u201el\u00fcsternen Elementen\u201c (Ebd. 465), den explizit sexuellen Aussagen und Darstellungen der Patientinnen w\u00e4hrend des hysterischen Anfalls. Diese stellten eine Herabw\u00fcrdigung der Krankheit als organischer dar und gef\u00e4hrdeten den neurologischen Status der Hysterie. Gleichzeitig \u00a0konnte er nicht verhindern, dass die Patientinnen bei ihren Anf\u00e4llen ihr \u201eganzes individuelles Leben, ihre ganze Sexualit\u00e4t\u201c (Ebd.) aktualisierten, es blieb ihm daher nur die M\u00f6glichkeit, die Verbindung von Hysterie und Sexualit\u00e4t zu ignorieren. \u00a0Im Winter 1885\/1886 machte Freud ein Praktikum bei Charcot, er war t\u00e4glich bei den Auff\u00fchrungen anwesend und kannte daher das offene Geheimnis der Hysterikerinnen. Freud thematisierte dies zun\u00e4chst nicht. Es erm\u00f6glichte ihm jedoch, einige Jahre sp\u00e4ter selbst die Entdeckung der Sexualit\u00e4t in der Hysterie zu machen. (Ebd. 466)<\/p>\n<p>Foucault deutet die \u201esexuelle Pantomime\u201c (Ebd. 467) der Hysterikerinnen als Widerstand der Patientinnen gegen die \u00dcber-Macht des Arztes, als einen \u201eSiegesschrei\u201c (Ebd.) in der Konfrontation zwischen dem Neurologen und der Hysterikerin, der genau das zu Tage brachte, was der Neurologe nicht sehen wollte: den sexuellen K\u00f6rper. (Ebd. 467f) Widerst\u00e4nde seien, so Foucault,\u00a0 das nicht wegzudenkende Gegen\u00fcber jeder Machtbeziehung: \u00a0\u201eWo es Macht gibt, gibt es Widerstand.\u201c (Foucault 1983, 116) Nur unter einem Zustand der Herrschaft seien die Machtverh\u00e4ltnisse unumkehrbar (Foucault 1993, 20).<\/p>\n<ol start=\"4\">\n<li><strong> Thanatopolitik<\/strong><\/li>\n<\/ol>\n<p>Der Bio-Macht ging es ab dem 17. Jahrhundert um das Leben und die Gesundheit der Bev\u00f6lkerung. Paradoxerweise waren jedoch die \u201eKriege nie blutiger als seit dem 19. Jahrhundert und die Regime [erg.: richteten]niemals vergleichbare Schlachten unter ihren Bev\u00f6lkerungen an.\u201c (Foucault 1983, 163). Im 20. Jahrhundert kam die dunkle Kehrseite der positiven Lebensmacht in Form der nationalsozialistischen Thanatopolitik zum Vorschein.<\/p>\n<p>Die Eugenik als Wissenschaft der genetischen Vererbung des Volkes diktierte die Grunds\u00e4tze der Biopolitik des Dritten Reiches. Der Nationalsozialismus beschr\u00e4nkte sich jedoch nicht darauf, wissenschaftliche Konzepte zu adaptieren, die genetische Forschung der Zeit diente ihm vielmehr als \u201estrukturelle und konzeptionelle Referenz\u201c (Agamben 2016, 155). Der Begriff der Rasse und die Vorstellung, die Rasse basiere auf Vererbung, wurden in enger \u00dcbereinstimmung mit den wissenschaftlichen Erkenntnissen der Zeit entwickelt: Die Forschung bewies, dass das Erbgut in Form von Genen in Chromosomen lokalisiert ist, damit wurden auch pathologische Erbveranlagungen nachweisbar. (Ebd. 154f)<\/p>\n<p>Das nationalsozialistische Regime verschmolz die F\u00fcrsorgepolitik des 18. Jahrhunderts mit den eugenischen Erkenntnissen der Zeit, steigerte sie im Namen der \u201eErbgesundheit des Volkes\u201c ins Absolute und verkehrte sie gleichzeitig in ihr Gegenteil. 1933, wenige Wochen nach Hitlers Aufstieg zur Macht, wurde bereits das \u201eGesetz zur Verh\u00fctung erbkranken Nachwuchses\u201c erlassen, welches besagte, dass, wer erbkrank ist, sterilisiert werden kann. Dem folgten 1935 das \u201eGesetz zum Schutze der Erbgesundheit des deutschen Volkes\u201c und das \u201eGesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre.\u201c Auf dieser biopolitischen Gesetzgebung fu\u00dften die darauf folgenden biopolitische Programme, wie das Euthanasieprogramm der Jahre 1940 und 1941. (Ebd. 156f)<\/p>\n<p>Erm\u00f6glicht wurde das Euthanasieprogramm nicht nur durch die Forschungsergebnisse der\u00a0 Genetik, sondern auch durch die Bildung der Kategorie eines \u201ewertlosen\u201c oder \u201elebensunwerten\u201c Lebens, welches dem \u201ewertvollsten, vom st\u00e4rksten Lebenswillen und der gr\u00f6\u00dften Lebenskraft erf\u00fcllten Lebens\u201c (Ebd. 147) gegen\u00fcbergestellt wurde. Agamben zitiert beispielhaft einen Strafrechtsexperten namens Binding, welcher gemeinsam mit einem Mediziner namens Hoche f\u00fcr die \u201eFreigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens\u201c pl\u00e4dierte:<br \/>\n&#8222;&#8230;welch Ma\u00df von oft ganz nutzlos vergeudeter Arbeitskraft, Geduld, Verm\u00f6gensaufwendung wir nur darauf verwenden, um lebensunwerte Leben so lange zu erhalten, bis die Natur \u2013 oft so mitleidlos sp\u00e4t \u2013 sie der letzten Fortdauer beraubt. Denkt man sich gleichzeitig in ein Schlachtfeld bedeckt mit Tausenden toter Jugend, oder ein Bergwerk, worin schlagende Wetter Hunderte flei\u00dfiger Arbeiter versch\u00fcttet haben, und stellt man in Gedanken unsere Idioteninstitute mit ihrer Sorgfalt f\u00fcr ihre lebenden Insassen daneben \u2013 und man ist auf das tiefste ersch\u00fcttert von diesem grellen Missklang zwischen der Opferung des teuersten Gutes der Menschheit in gr\u00f6\u00dftem Ma\u00dfstab auf der einen und der gr\u00f6\u00dften Pflege nicht nur absolut wertloser, sondern negativ zu wertender Existenzen auf der anderen Seite.&#8220; (Ebd. 147)<\/p>\n<p>Die Kategorisierung und Gegen\u00fcberstellung von \u201ewertvollem\u201c und \u201ewertlosem\u201c Leben und der damit verbundene Rechtfertigungsdiskurs \u00fcber die T\u00f6tung des \u201elebensunwerten\u201c Lebens lege eine Schwelle fest, so Agamben, jenseits welcher das Leben keinen rechtlichen Wert mehr besitze und get\u00f6tet werden k\u00f6nne, ohne \u201edass ein Mord begangen wird\u201c (Ebd.148). Die souver\u00e4ne Entscheidung \u00fcber Leben und Tod bewege sich weg von der Politik auf ein \u201eambivalentes Terrain, wo der Souver\u00e4n und der Arzt die Rollen zu tauschen scheinen\u201c (Ebd.), die Biopolitik des 18. und 19. Jahrhunderts habe mit der gegenseitigen Integration von Leben und Politik begonnen, und die Euthanasie sei der Punkt, an welchem die moderne Biopolitik in eine nationalsozialistische Thanatopolitik kippe (Ebd. 148f): Die Entscheidung \u00fcber das Leben wird zur Entscheidung \u00fcber den Tod, die nun nicht mehr wie in den Zeiten der Marter vom Souver\u00e4n, sondern von den behandelnden \u00c4rzten getroffen wird (Ebd. 130). Die am Euthanasieprogramm beteiligten \u00c4rzte handelten dabei nicht nur gegen den Hippokratischen Eid, sondern auch gegen das Gesetz, \u201eda keine gesetzlichen Vorkehrungen getroffen wurden, die [erg.: ihnen]Straflosigkeit zusicherten\u201c (Ebd. 152).<\/p>\n<p>Grafeneck in W\u00fcrttemberg, Deutschland, war eines der Hauptzentren des Euthanasieprogrammes, eine \u00e4hnliche Anstalt gab es auch in Hartheim bei Linz. Grafeneck erhielt t\u00e4glich etwa siebzig Personen im Alter von 6 bis 93 Jahren, welche unter den unheilbar Kranken der deutschen Irrenh\u00e4user ausgew\u00e4hlt wurden. Die Kranken wurden zumeist innerhalb von 24 Stunden nach ihrer Ankunft in Grafeneck mit Giftspritzen oder Gas get\u00f6tet. Aufgrund des massiven Protestes von Angeh\u00f6rigen und Bisch\u00f6fen wurde das \u201eEuthanasie-Programm f\u00fcr unheilbar Kranke\u201c nach f\u00fcnfzehn Monaten wieder eingestellt. In diesem Zeitraum wurden 60.000 geisteskranke Menschen get\u00f6tet. (ebd. 147f)<strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Conclusio<\/strong><\/p>\n<p>Im Zeitalter von <em>Big Data<\/em>und unter den Vorzeichen einer zunehmend neoliberalen Politik entstehen neue Fragen rund um den Wissen-Macht-Komplex der Gesundheit: Wohin f\u00fchren die digitalen \u00dcberwachungsm\u00f6glichkeiten? Sind wir auf dem Weg zum gl\u00e4sernen Patienten? F\u00fchren Datenspeicherungen im Gesundheitsbereich das Benthamsche Panoticon in technisch transformierter Weise weiter? Wie ver\u00e4ndert sich Gesundheitspolitik im postindustriellen Zeitalter? Wird die Biopolitik momentan um eine Psychopolitik, bei welcher die Selbstausbeutung der Psyche und nicht mehr die Fremdausbeutung des K\u00f6rpers im Fokus von Machttechniken steht, erweitert?\u00a0 Oder werden die F\u00fcrsorgepflichten des Staates im Namen eines staatlichen Sparkurses zunehmend reduziert und an den Einzelnen ausgelagert?<\/p>\n<p>In jedem Fall ist die Gesundheit wichtiger Gegenstand \u00f6ffentlicher Diskurse, und sie bleibt auch weiterhin mit politischen \u00dcberwachungs- und Steuerungstechniken, mit Wissenschaften wie der Medizin und der Demografie als auch mit Disziplinarinstitutionen wie dem Krankenhaus in einem Dispositiv verwoben. Foucault\u00b4s historische Analysen erm\u00f6glichen einen kritischen Blick auf das gegenw\u00e4rtige Gesundheitsdispositiv und er\u00f6ffnen mit dem neuen Blick auf alte Machtverh\u00e4ltnisse zugleich M\u00f6glichkeiten des Widerstands.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>Literaturverzeichnis:<\/strong><\/p>\n<p>Agamben, Giorgio (2016): Homo sacer. Die souver\u00e4ne Macht und das nackte Leben. Frankfurt am Main: Suhrkamp, 11. Auflage.<\/p>\n<p>Dreyfus, Hubert L., Paul Rabinow (1994): Michel Foucault. Jenseits von Strukturalismus und Hermeneutik. Weinheim: Beltz Athen\u00e4um, 2. Auflage.<\/p>\n<p>Foucault, Michel (1976): Mikrophysik der Macht. \u00dcber Strafjustiz, Psychiatrie und Medizin. Berlin: Merve.<\/p>\n<p>\u2013 (1977): \u00dcberwachen und Strafen. Die Geburt des Gef\u00e4ngnisses. Frankfurt am Main: suhrkamp tb wissenschaft 184<\/p>\n<p>\u2013 (1978): Die \u201eGouvernementalit\u00e4t\u201c (Vortrag). In: Michel Foucault. Analytik der Macht. Hrsg. von Daniel Defert und Francois Ewald unter Mitarbeit von Jacques Lagrange. Frankfurt am Main, 2005: suhrkamp tb wissenschaft 71759, S. 148\u2013174.<\/p>\n<p>\u2013 (1983): Der Wille zum Wissen. Sexualit\u00e4t und Wahrheit 1. Frankfurt am Main: suhrkamp tb wissenschaft 716.<\/p>\n<p>\u2013 (1993): Freiheit und Selbstsorge. Interview 1984 und Vorlesung 1982. Hrsg von Helmut Becker et al. Frankfurt Ma Main: Materialis, 2. Auflage.<\/p>\n<p>\u2013 (2015): Die Macht der Psychiatrie. Vorlesungen am Coll\u00e8ge de France 1973-1974. Hrsg. von Jaques Lagrange. Frankfurt am Main: suhrkamp tb wissenschaft 2152.<\/p>\n<p>Han, Byung-Chul (2014): Psychopolitik. Neoliberalismus und die neuen Machttechniken. Frankfurt am Main: Fischer.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Leben Macht Schreiben. Gesundheit als (Schrift-) Effekt der Biopolitik. In: Vom Krankmelden und Gesundschreiben. Literatur und\/als Psycho-Soma-Poetologie? Hrsg. von Artur R. Boelderl. Innsbruck: Studienverlag 2018. Leben Macht Schreiben\u00a0(Download PDF). 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